Erinnern und Vergessen: Ein P-Seminar Rückblick

Vom 07.-09.11.2019 stellte das P-Seminar Kunst im Bosco seine Werke aus.

Erinnern und Vergessen ist ein Thema, welches verschiedenste Zugänge öffnet: philosophische oder wissenschaftliche, persönliche oder unpersönliche. Über die letzten eineinhalb Jahre haben wir uns in unserem gleichnamigen P-Seminar unter dem Leitfach Kunst mit eben diesem Thema beschäftigt. Entstanden ist eine Sammlung an zehn einzigartigen Werken, welche sich auf unterschiedlichste Weisen mit Erinnerungen oder dem Vergessen auseinandersetzen. Schließlich stellten wir vom 07.11.-09.11.2019 alle Werke drei Tage lang im Bosco in Gauting aus.    

Carlotta Linke ist, nach dem Vorbild von Sophie Calle mit ihrer Kamera in die Privatsphäre und die Geschichte von Personen eingedrungen und hält mit Langzeitbelichtungen und Stichpunkten die Geschichte der fotografierten Menschen fest.

Josephine Zacher verwandelte eine ihrer Kinderzeichnungen in ein lebensgroßes Stoffkostüm als Symbol ihres Kindheitstraumes: Fliegen.

Lara Scholz visualisiert ihr bisheriges Leben mit einer Kleiderstange und Schaufensterpuppe, an der sie Kleider aus ihren verschiedenen Lebensabschnitten befestigt.

Nike Zapp inszeniert die Schals ihrer verstorbenen Großmutter von einem filigranen Stahlgerüst hängend, bewegt von einem Ventilator, in Erinnerung an eben diese.

Johanna Günther entwickelt zwei Collagen aus Dokumenten und Fotos zweier ferner verstorbener Verwandten aus Amerika, die sie selbst nie persönlich gekannt hatte. Die Gesichter der beiden malt sie über die Collagen auf Glasplatten.

Sari Schade führte über fast ein Jahr ein Tagebuch, das sie immer wieder rückblickend mit verschiedensten Medien und Methoden be- und übermalte, überarbeitete, verzierte, ausradierte, verfälschte, oder überdeckte.

Beyza Nur Bulut arbeitet auf einer metergroßen Leinwand, auf der sie mit kleinen Zeichnungen verschiedenster Kinderbilder ein mosaikartiges Portrait von sich selbst zusammensetzte.

Raphaela Hutter präsentierte an einer Holzwand aufgehängte und inszenierte Erinnerungsgegenstände, die bestimmte Erinnerungen oder Abschnitte aus ihrem Leben repräsentativ darstellen.

Fabian Hellmich benutzte moderne Technik um digital bewegte Bilder aus Gemälden von Caspar David Friedrich zu erzeugen. Die Bewegung der eigentlich starren Bilder, unterlegt mit Geräuschen der Natur eröffnen eine neue Perspektive auf die Gemälde.

Christopher Mai nahm eine Serie von fünf, sich von Bild zu Bild in ihrer Verwirrung steigernde Selbstportraitfotografien auf und übermalte diese in Anlehnung an Arnulf Rainer.

Das Seminar hat von uns allen eine Auseinandersetzung mit uns selbst und unseren Erinnerungen gefordert. Jeder hat einen eigenen Zugang, sei er persönlicher oder philosophischer oder empirischer Natur, gefunden und eine eigene Sichtweise auf das Thema entwickelt. Wir hatten die Möglichkeit, uns intensiv mit diesen kognitiven Prozessen des Erinnerns und Vergessens auseinanderzusetzen und schöpften aus dem großen Pool künstlerischer Praktiken.

Christopher Mai


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