SZ-Werkstattgespräch im Wahlkurs „Politik & Zeitgeschehen“

Am Dienstag, den 03.12., besuchte uns, den „Wahlkurs „Politik & Zeitgeschehen“ sowie die Klasse 10b, Herr Costanzo, der Leiter der Landkreisredaktion der Süddeutschen Zeitung, zu einem „Werkstattgespräch“. In den etwa eineinhalb Stunden beschäftigten wir uns zum einen damit, wie die SZ als klassisches Printmedium auf die Digitalisierung reagiert, und zum anderen mit der Arbeitsweise der Redaktion für einen Artikel und für die Objektivität von Artikeln.

Anhand anschaulicher Beispiele erklärte Herr Costanzo, wie die Süddeutsche Zeitung, genauso wie andere seriöse Printmedien, versuche, „wahren Journalismus ins Internet zu bekommen“, aber auch weiterhin außerhalb Fake News oder einseitig manipulativer Meinungsbildung in den sozialen Medien Qualität entgegenzusetzen. Denn von den zum Beispiel auf Twitter verbreiteten Fake News könne große Gefahr ausgehen. Anhand des Beispiels des Amoklaufs am OEZ vor zwei Jahren konnten wir nachvollziehen, wie sich durch Fake News auf Twitter innerhalb weniger Stunden eine vollkommen falsche Informationslage aufgebaut hat. Diese führte dann zu einer hoch emotionalisierten Situation in München und stellenweise zu Panik. Dabei wurden hier die Falschmeldungen noch nicht einmal absichtlich gesetzt.

Das lokale Beispiel der Randale und des folgenden Polizeieinsatzes im Asylbewerberheim in Krailling im Juni 2019 veranschaulichte dann sehr gut die Arbeitsweise seriöser Journalisten. Herr Costanzo gab wieder, wie hier im Sommer in der Redaktion Prinzipien einer seriösen Berichterstattung angewendet wurden, so etwa nach aller Möglichkeit immer selber schnell mit einem Mitarbeiter vor Ort sein, selber mit möglichst vielen verschiedenen Beteiligten sprechen, ggf. darüber hinaus weitere Quellen einholen und nutzen, in einem Artikel dann nur das als Fakt wiedergeben, was klar mehrfach belegt bzw. unstrittig ist, und darüber hinaus dann die verschiedenen Sichtweisen vollständig wiedergeben, diese aber auch klar als solche benennen. Außerdem berät und kontrolliert man sich aber auch untereinander in der Redaktion, bevor etwas Schwierigeres in Druck geht. Wichtig auch, dass ein Thema weiter verfolgt wird, die Berichtserstattung hört also nicht nach der ersten spannenden Meldung auf, sondern „berichtet“ in den Tagen oder Wochen danach das Ereignis auch „mit seinen Folgen oder weiteren Entwicklungen dazu zu Ende“, damit der Leser am Ende die „ganze Geschichte“ mitnehmen kann.

So war das Gespräch insgesamt sehr informativ und stellenweise auch sehr spannend. Vielen Dank an Herrn Costanzo und die Süddeutsche Zeitung für dieses Angebot im Namen des gesamten Qualitätsjournalismus.

Ida Kaindl und Lilli zur Weihen