Jugendoffizier der Bundeswehr: Vortrag zur Sicherheitspolitik fĂŒr die Q12

Am Donnerstag, den 16. Januar 2020, hatten wir SchĂŒlerinnen und SchĂŒler der Q12 die Möglichkeit, vom Jugendoffizier der Bundeswehr einen Vortrag ĂŒber die Sicherheitspolitik im 21. Jahrhundert zu hören und dabei auch den Beitrag der Bundeswehr genauer kennenzulernen.

Zuerst erzĂ€hlte uns Hauptmann Tim Plundke, dass er als Jugendoffizier die Informationspflicht ĂŒber die Aufgaben der Bundeswehr erfĂŒllt und mit fĂŒr politische Bildung sorgt. Danach folgten einige Fakten ĂŒber die Bundeswehr: 1955 gegrĂŒndet, als die Bundesrepublik in die NATO eintrat, ist ihr erster Auftrag die Landesverteidigung, mittlerweile auch außerhalb die Absicherung von Frieden sowie wirtschaftlicher Interessen, sofern sie dabei als Teil eines kollektiven Sicherheitssystems handelt (z.B. UN, EU). Die Bundeswehr besteht aus rund 185.000 Soldatinnen und Soldaten, von denen sich etwa 3.000 in einem Auslandseinsatz befinden.

Die Bundeswehr ist eine politisch gefĂŒhrte Armee, deshalb entscheidet der Bundestag ĂŒber deren EinsĂ€tze – auf Grundlage eines Mandats, welches zum Beispiel von einem StaatenbĂŒndnis wie der EU oder der NATO kommt. Da die meisten Mandate allerdings von den Vereinten Nationen kommen, erklĂ€rte uns Tim Plundke vor allem die Aufgaben des Sicherheitsrates der UN noch einmal genauer: Dieser ist das zentrale Organ der internationalen Gemeinschaft fĂŒr die Friedenssicherung und die Durchsetzung von Völkerrecht und Menschenrechten. Seine Entscheidungen gelten verpflichtend fĂŒr alle Mitgliedsstaaten (fast alle, außer bspw. Vatikan, Westsahara 
). Friedens- und Sicherheitsrisiken, die uns heutzutage konfrontieren, sind der internationale Terrorismus, der Klimawandel, die Störung der Rohstoff-, Waren- und Kommunikationsströme, speziell Piraterie (stĂ€ndige Armut in Ostafrika) und Cyberattacken, die wachsende StaateninstabilitĂ€t, die zu regionalen Konflikten und BĂŒrgerkriegen fĂŒhrt, sowie die Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen. Die fĂŒnf stĂ€ndigen Mitglieder des Sicherheitsrates (China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA) besitzen neben den zehn nichtstĂ€ndigen allerdings ein Vetorecht, welches sie auch gerne einsetzen, wenn sie ihre nationalen Interessen nicht mit den Interessen der anderen vereinbaren können.

Im letzten Teil des Vortrags berichtete der Jugendoffizier uns von den EinsĂ€tzen der deutschen Soldatinnen und Soldaten in Mali. Die Lebensbedingungen im SĂŒden des Landes sind deutlich besser als die der im Norden lebenden Bevölkerung, was schon lĂ€nger zu Spannungen im Land gefĂŒhrt hat. Das begĂŒnstigte nach dem Sturz des Diktators Gaddafi in Libyen 2011, der zwar StabilitĂ€t erreicht hat, allerdings im Übrigen nicht im Sinne der UN, auch die Entstehung und Ausbreitung von radikalen islamistischen Gruppierungen, die sich nun mit der Volksgemeinschaft der Tuareg zusammenschlossen und gegen das Nord-SĂŒd-GefĂ€lle innerhalb Malis kĂ€mpften.

Da die malische Polizei und Armee allerdings nur eine unzureichende Ausbildung und nicht genĂŒgend Mittel haben, entschieden sich die Vereinten Nationen fĂŒr einen Stabilisierungseinsatz im fragile state Mali. Davor hatte schon Frankreich als Erstes von außen eingegriffen, da Mali eine ehemalige französische Kolonie ist. Neben der regionalen staatlichen StabilitĂ€t und wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten sollen so Fluchtursachen verringert und die Terrormilizen zurĂŒckgedrĂ€ngt werden. Zudem zielt der Einsatz auf mafiöse Strukturen. Kriminelle und Schleuser missbrauchen FlĂŒchtlinge aus Mali oder aus den sĂŒdlicheren Staaten, fĂŒr die Mali ein Transitland ist, fĂŒr Menschenhandel, Raub, brutale Misshandlungen und erpresserischen Drogenschmuggel, oft mit Todesfolge.

Überraschend wie unterschiedlich die Aufgaben bei dem Einsatz ausfallen: Im SĂŒden Malis sind die Soldatinnen und Soldaten aus insgesamt 25 Nationen dafĂŒr verantwortlich, Kampfmittel zu beseitigen und die AnfĂŒhrer der Armee auszubilden, damit diese ihre FĂ€higkeiten dann an ihre Truppen weitergeben können.

Im Norden hingegen befinden sich auf der zurzeit grĂ¶ĂŸten Friedensmission 11.000 Soldatinnen und Soldaten aus ĂŒber 50 Nationen im Einsatz, die dafĂŒr verantwortlich sind, PrĂ€senz zu zeigen, den Raum zu kontrollieren, der Bevölkerung Sicherheit zu gewĂ€hrleisten und ggf. islamistische Milizen mit Waffengewalt zu bekĂ€mpfen. Gleichzeitig suchen sie den Austausch mit der Bevölkerung. Die Mittel fĂŒr ihre Patrouillen mĂŒssen die LĂ€nder allerdings selbst bereitstellen, den Vereinten Nationen fehlen dazu die Mittel.

So kommt es wĂ€hrend der Patrouillen hĂ€ufiger zu Verletzten und Toten fĂŒr LĂ€nder, die weniger gut ausgerĂŒstet sind. Bei der AusrĂŒstung ist die Bundeswehr weltweit mit fĂŒhrend. Sie stellte zum Beispiel auch zwölf Kampf- und Transporthubschrauber fĂŒr die gesamte Mission vor Ort bereit. Vor Kurzem stĂŒrzte einer ab, die beiden Soldaten starben dabei. Ähnlich wie bei diesem Unfall ereignen sich 70 Prozent der TodesfĂ€lle aber ohne feindliche Fremdeinwirkung.

Insgesamt war der Vortrag sehr informativ und interessant, der Großteil der Informationen war fĂŒr uns alle neu und man hat nur selten die Möglichkeit, mit einem Offizier zu sprechen und ihm alle möglichen Fragen zu stellen. Was wir dann auch noch rege taten. Außerdem stellte sich heraus, dass die internationale Sicherheitspolitik viel interessanter ist als gedacht. Ein guter Aufschlag fĂŒr das letzte Halbjahr.

Hannah Muxfeldt mit Fabian Hellmich und Noah Ibrahim