Israel-Austausch 2022 – Besuch bei Freunden

Die Pandemie hat nicht nur zu Verwerfungen in der Schule selbst geführt, auch Austauschprogramme wie der Israel-Austausch mit unserer Partnerschule kamen für zwei Jahre zum Erliegen. Umso glücklicher waren wir, als in der letzten Juliwoche unsere israelischen Austauschpartner uns endlich besuchen konnten und wir uns Ende Oktober aufmachen konnten, um unsere neu gewonnenen Freunde in ihrem Zuhause in Israel besuchen zu können.

Am Sonntagmorgen, den 23.10.2022 ging es endlich mit unserer Gruppe des Seminars „Israel-Austausch“ los, um den Flieger nach Tel Aviv zu nehmen. Begleitet haben uns dabei Herr Greif, der das Seminar leitet, sowie Herr Weikmann.

Nach vier Stunden Flug wurden wir am Flughafen von Tel Aviv von unseren israelischen Austauschschülern und Schülerinnen der Givat-Brenner-Highschool herzlich empfangen. Die Wiedersehensfreude bei einem gemeinsamen Abendessen in einem Restaurant im nahe gelegenen Rehovot war groß. Nach ausführlichen Gesprächen ging es für uns alle zu unseren Gastfamilien, von denen wir herzlich willkommen geheißen wurden und bei den wir denen Abend ausklingen ließen.

Am nächsten Tag ging es ausgehend von der Schule in Givat Brenner, die unser gemeinsamer Treffpunkt war, da wir von den Gastfamilien aus meist aus verschiedenen umliegenden Kibbuzim kamen, mit dem Bus nach Caesarea Maritima. Dort haben wir die Ausgrabungen der am Meer liegenden, ehemals bedeutenden antiken Stadt, besichtigen können. Darunter konnten wir auch die beeindruckende Akustik des römischen Amphitheaters Caesareas, welches heute vor allem für Open-Air-Konzerte genutzt wird, erfahren. Darüber hinaus sind Überreste von durch Herodes gebauten Tempeln und Palästen, sowie ein Hippodrom anzufinden. Im Anschluss daran besuchten wir auch ein ehemals sechs Kilometer langes, direkt am Strand gelegenes Aquädukt, welches dereinst zur Wasserversorgung der antiken Hafenstadt diente.

Am Dienstagmorgen stand eine gemeinsame Fahrt mit den israelischen Austauschschülern nach Massada, einer zweitausend Jahre alten, wiederum durch König Herodes erbauten Festung hoch über dem Toten Meer an. Nach einigen Stufen, die den Weg nach oben auf den durch das UNESCO-Weltkulturerbe geschützten Tafelberg führten, konnten wir von oben einen beeindruckenden Blick über den Jordangraben und das Tote Meer erfassen. Durch Linien gekennzeichnet war es uns möglich zwischen dem Originalbau und den Nachbauten auf den drei Ebenen der verschiedenen Paläste zu unterscheiden, wobei es beeindruckend war, wie viel trotz des langen Zeitraums immer noch erhalten geblieben ist. Nachdem wir zuvor nur sehnsüchtige Blicke zum Meer hin wagen konnten, durften wir im Anschluss auch das sensationelle Gefühl der Tragfähigkeit des Salzes ausprobieren. Am späten Nachmittag verabschiedeten wir uns von unseren Austauschschülern für zwei Tage, um unsere Fahrt Richtung Süden durch die Arava-Ebene nach Eilat weiterzuführen. Dort ließen wir im Hotel gemeinsam den Tag Revue passieren.

Mit eigenen sowie ausgeliehenen Schnorcheln stellte der nächste Morgen eine ganz besondere Erfahrung für uns alle dar, indem wir in die Unterwasserwelt des Roten Meers eintauchen konnten und somit das weltweit nördlichste Korallenriff mit 270 verschiedenen Korallenarten sowie unzähligen verschiedenen Meerestierarten bewundern konnten. Nachmittags folgte ein weiterer Höhepunkt der Reise mit einem Ausflug zu einer Kamelfarm, bei der wir alle einen Ausritt durch die Wüstenlandschaft genießen durften. Im Anschluss daran gab es noch ein typisches Beduinenessen mit Tee sowie selbst gebackenem Pita-Brot. Der Abschluss dieses besonderen Tages endete mit einem traumhaften Sonnenuntergang in der Wüste. Abends konnten wir in der Gruppe noch die Besonderheit der Stadt Eilat selbst bei Nacht erkunden.

Der nächste Morgen begann sehr früh, um nicht in die Mittagshitze der Wüste zu kommen, mit einer Fahrt in Richtung Timna-Nationalpark, wo wir die faszinierende Landschaft sowie Sandsteinformationen in der Wüste bestaunen konnten. Nach einer interessanten Einführung eines Rangers machten wir insgesamt sechs Stopps mit kurzen Wanderungen, wobei wir zudem die archäologischen Reste antiken Kupferbergbaus, die bis auf das Zeitalter der Ägypter zurückgehen, feststellen konnten. Nach einer kurzen Stärkung brachen wir erneut Richtung Norden auf, wobei wir Zwischenstopps in Mizpe Ramon, mit Blick auf den größten Erosionkrater der Welt, sowie Sede Boker, wo sich das Grab des Staatsgründers Israels, David Ben Gurion, und seiner Frau befinden, einlegten. Nach einer langen Fahrt trafen wir uns abends auf ein gemeinsames Abendessen, um den Israelis von unseren Erfahrungen in Eilat zu berichten, während sie in der Zeit in die Schule gehen mussten.

Am Freitagmorgen fuhren wir mit unseren israelischen Austauschpartnern in die Hauptstadt Tel Aviv. Dort gab uns Shlomi Chanoch, der Sohn des Holocaust-Überlebenden Uri Chanoch, eine Führung durch die alte Hafenstadt Jaffa. Leider musste er jedoch aufgrund privater Umstände die Führung früher beenden, sodass Herr Greif spontan einsprang. Aufgrund dessen Ortskenntnis war das aber kein Problem! Somit konnten wir erst Jaffa erkunden und anschließend das moderne Zentrum der pulsierenden Metropole Tel Aviv. Danach besuchten wir in Kleingruppen unterschiedliche Märkte, wo wir die Möglichkeit bekamen, allerhand leckere israelische Köstlichkeiten zu probieren. Nachdem wir aus Tel Aviv wiedergekommen waren, kehrten wir zu unseren jeweiligen Gastfamilien zurück, bei denen wir jeweils in Form eines Familienessens, ganz nach den jüdischen Traditionen, den Anfang des Shabbats feierten. Den darauffolgenden Tag, den Shabbat selbst, verbrachten wir individuell in unseren Gastfamilien.

Am Sonntag machten wir uns im Rahmen eines Tagesausflugs, ohne unsere Austauschpartner, auf den Weg nach Jerusalem. In der geschichtsträchtigen Altstadt besuchten wir die Grabeskirche mit dem Grab Jesu und erkundeten die verwinkelten Gassen mit den traditionellen Märkten und ihren unzähligen kleinen Ständen. Unsere nächste Station war die beeindruckende Klagemauer, mit den getrennten Bereichen für Männer und Frauen. Anschließend konnten wir von einem Aussichtspunkt den weltbekannten Tempelberg mit der goldenen Kuppel des Felsendoms betrachten. Nach unserer Rückkehr gingen wir zusammen mit unseren Gastgebern zum Abendessen, wo wir uns über die Erlebnisse und Eindrücke austauschten.

Unser letzter Tag begann mit einer gemeinsamen Reflexion über den gesamten Austausch, die in der Givat-Brenner-Highschool stattfand. Dabei sprachen wir über die prägenden und beeindruckenden Erlebnisse unserer gemeinsamen Zeit und blickten auf die vielen unvergesslichen Momente zurück. Im Anschluss daran haben wir Schüler des OvTG die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besichtigt. Dieser Besuch hat uns alle emotional sehr aufgewühlt. Die schrecklichen Zeugnisse der Vergangenheit wurden uns hier sehr eindrücklich nähergebracht, auch die Konzeption und Architektur hinterließen tiefe Eindrücke. Nach dieser berührenden Besichtigung fuhren wir nach Har Adar, hier konnten wir einen weiten Blick über Israels Landschaft erhaschen. Unser (leider) letzter Abend klang in Form eines gemeinsamen Barbecues aus. Wir genossen noch einmal die letzten Stunden miteinander und ließen die vielen Erlebnisse der letzten Woche Revue passieren. Um kurz nach Mitternacht hieß es dann, unter vielen Tränen, Abschied zu nehmen. Die restlichen Stunden der Nacht verbrachten wir dann auf dem Flughafen von Tel Aviv, da unsere Maschine gegen sechs Uhr in der Früh startete, sodass unser Austausch um elf Uhr am Münchner Flughafen sein Ende fand.

Insgesamt lässt sich sagen, dass wir alle froh und dankbar für die tolle Zeit und die einmaligen Erfahrungen sind. Durch diesen Austausch haben wir die Möglichkeit bekommen, neue Freundschaften zu knüpfen, die mit Sicherheit viele Jahre bestehen werden.


Antonia Rosipal und Sophie Garraud (Q12) für das P-Seminar Israel