TUMKolleg: Besuch von WACKER-Chemie Burghausen am 09.11.2022

Heute schon Zähne geputzt? Hoffentlich mit Zahnpasta!

Wussten Sie, dass, obwohl es nicht auf der Verpackung steht, wichtige Inhaltstoffe der Zahnpasta bei WACKER Chemie hergestellt werden? Das und vieles mehr haben wir am 9.11.2022 bei unserem Besuch dort gelernt.

WACKER-Chemie ist ein Industriegebiet in Burghausen. Es ist größer als Monaco und verbraucht allein so viel Strom wie Hamburg. Trotzdem sieht man die Marke WACKER nie auf Verpackungen, da dort nur Zwischenprodukte, wie Silikone oder Polyvinylacetat-Festharz, die unter anderem in Kaugummi, Ketchup und Brot enthalten sind, entwickelt und hergestellt werden. Das Chemie-Werk ist spezialisiert auf die Entwicklung und Herstellung von Silikon, Polymeren, Polysilikon und Biosolutions.

Unser Aufenthalt begann mit einem Vortrag von Alois Wengler, der seit 47 Jahren bei WACKER arbeitet, in dem er uns einen Überblick über die Ziele und Abläufe des Unternehmens und seine Produkte gab. Er zeigte uns außerdem eine Probe Silizium, ein Ausgangsstoff für die Herstellung vieler Produkte bei WACKER.

Danach fuhren wir mit dem Bus zur nächsten Station unserer Führung. Im Bus erklärte uns Herr Wengler die Funktion der einzelnen Gebäude und die Systeme von Rohren, die diese verbinden. Außerdem betonte er wie fortschrittlich und modern das Gelände ausgestattet ist, was wir unter anderem an den autonomen Fahrzeugen, die Proben transportieren, sehen konnten.

Zudem sahen wir dies auch bei unserem nächsten Halt. Dort wurden uns Techniken vorgestellt, wie die Eigenschaften von Silikon verbessert und getestet werden können. Als erstes wurde uns das Spritzgussverfahren gezeigt, bei dem ein Katalysator und ein Vernetzer zusammen in eine Form gespritzt werden. Unter Hitze reagieren sie zu flüssigem Silikon, welches sich nur unter Zuführung von Energie verhärtet und vernetzt, um ein fertiges Produkt zu bilden. Somit können bei WACKER Chemie-Testobjekte, wie in unserem Fall Schnuller, hergestellt werden, die dann auf Temperaturstabilität, Reißfestigkeit, Lebensmittelsicherheit und Hautverträglichkeit getestet werden, um sicher zu stellen, dass Kunden das bestmögliche Produkt bekommen. Zudem können mit diesem Verfahren verschiedene Plastikarten in einem Arbeitsschritt mit Silikon verbunden werden. Dann wurde uns ein weiteres Verfahren, Silikon zu verarbeiten, nähergebracht. Hierbei verwendet man Hartsilikon, was mit Hilfe von Walzen und Schrauben zu beliebig langen, jedoch nur bedingt komplexen Formen, gepresst wird.

Zurück im Bus erhielten wir eine Auswahl an Testobjekten, die unter Verwendung unterschiedlichster Verarbeitungstechniken hergestellt wurden, um die verschiedenen Muster, Materialien und Dicken zu testen und auch möglichen Kunden präsentieren zu können. Außerdem führte Herr Wengler seine Vorstellung des Geländes fort.

Als nächstes wurde uns Siltronic vorgestellt, ein Unternehmen, das auf dem WACKER-Gelände Siliziumwafer für die Halbleiter-Produktion herstellt. Hierfür werden circa 2m hohe Silizium Stäbe mit einem Durchmesser von 30 cm hergestellt, die dann in dünne Scheiben geschnitten und anschließend gereinigt werden, um sie als Zwischenprodukt für Photovoltaik und Halbleiter zu verkaufen.

Als letztes besuchten wir noch das werkseigene Wasserwerk, das 8% des Stroms für WACKER produziert. Es sichert außerdem das Industriegebiet vor Stromausfällen, indem es eine beständige Stromquelle ist, welche in Notfällen notwendige Sicherheitsprotokolle einleiten kann. Über 5 Rohre fließt das Wasser einen 65 m Höhenunterschied hinab, um den Kondensatoren eine hohe Fließgeschwindigkeit zu liefern. Hier wurde uns an einem Generator, der gerade repariert wurde, seine Funktionsweise gezeigt. Zudem wurden uns Notfallsysteme für den Fall eines Rohrbruchs demonstriert. Durch zwei Rohre wird das überschüssige Wasser abgeleitet, um Sach- und Gebäudeschäden zu vermeiden. Außerdem wurde uns erklärt, wie der Alz-Kanal das Wasserwerk mit Wasser versorgt, gebaut wurde, um den häufigen Überschwemmungen der Alz vorzubeugen, und gleichzeitig grünen Strom für WACKER bereitzustellen.
 

Wir bedanken uns herzlich im Namen des TUMKollegs bei allen Mitwirkenden, die uns diesen unheimlich interessanten Tag ermöglicht haben.