Vortrag des französischen Generalkonsuls Jean-Claude Brunet am 22.6.2017 - Die Ehre der Mitgestaltung

Am Donnerstag, den 22. Juni 2017, erwies uns der französische Generalkonsul in Bayern, Monsieur Jean-Claude Brunet die Ehre und hielt vor der gesamten Q11 einen Vortrag in deutscher Sprache zum Thema „Diplomatie im 21. Jahrhundert“.

Mit einem Augenzwinkern stellte Herr Generalkonsul Brunet klar:
„Ja, man mag als Botschafter Empfänge! Aber sie dienen dazu, sein Netzwerk zu vergrößern oder auch ein ernstes Gespräch zu führen, das Glas Champagner hilft sogar manchmal dabei“.
Am Ende seines Vortrags hatte sich bei allen ein differenziertes Bild der Tätigkeit eines Botschafters ergeben. Es hat nichts mit dem Klischee gemein und zeigt, welche verantwortungsvolle Aufgaben ein Diplomat hat und wie sehr er Gestalter und Vermittler sein muss und darf.

Zunächst beleuchtet er seine besonderer Rolle, die ihm als französischer Botschafter in Bayern  zukommt: die Verflechtungen zwischen Bayern und Frankreich sind auf  wirtschaftlicher und politischer Ebene sowie im Hochschulbereich besonders eng. Er bezeichnete es als Ehre, sich um die 30000 Französinnen und Franzosen in Bayern kümmern zu dürfen. Die Botschaft sei eine Anlaufstelle, „ein kleines Rathaus“, aber auch Wahlbüro für die in Bayern lebenden französischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Der Generalkonsul hat die Aufgabe der Informationsvermittlung sowie der Intensivierung des Kontakts auf allen Ebenen zwischen beiden Ländern. 

Auch auf nationaler Ebene hat  der Botschafter diese Aufgabe der Vermittlung zwischen den Kulturen, zum einen für sein eigenes Land, zum anderen aber auch im Namen der Europäischen Union. Hier gilt es, die interkulturelle Kommunikation zu pflegen, Werte und Ziele nach Außen zu vertreten und Prozesse mitzugestalten. So berichtet er von seiner Mitwirkung auf der Weltklimakonferenz in Paris 2015, wo er bei der Ausarbeitung der Verträge mitgewirkt hat. Diplomaten sind auch in die Arbeit internationaler Organisationen, wie zum Beispiel bei den Vereinten Nationen involviert, können sich aber auch im Bereich der Wirtschaftsdiplomatie engagieren oder als Botschafter z.B. in Afrika Entwicklungspolitik mitgestalten. Es gibt sogar die Möglichkeit, als Botschafter einer französischen Region zu fungieren und ihre Entwicklung diplomatisch und aktiv voranzutreiben. Als Beispiel nennt der Generalkonsul die industriell starke Region Auvergne-Rhône-Alpes.

In seinen Augen gewinnt die Arbeit der Diplomaten zunehmend an Bedeutung. Denn in einer immer komplexeren, aber auch von Terrorismus und Nationalismus bedrohten Welt, bedarf es einer vermittelnden Instanz, die die europäische Wertegemeinschaft vertritt und verteidigt.

Dieser Gedanke war es auch, der Jean-Claude Brunet, der auf beiden Seiten des Rheins aufgewachsen ist, auf diesen Beruf hat hinarbeiten lassen. Als junger Mann erlebte er nach dem Fall der Berliner Mauer den fortschreitenden europäischen Einigungsprozess und wünschte sich „das gemeinsame europäische Haus“ (Zitat Helmut Kohl) mitzugestalten. Seit 25 Jahren ist er nun Diplomat und verfolgt seine Ziele. Deutschland und Frankreich spielen dabei - seiner Auffassung nach -  nach wie vor eine zentrale Rolle.

Am Ende seines Vortrags unterstrich der Generalkonsul, wie wichtig es ist, Französisch und andere Fremdsprachen zu sprechen, um in Kontakt zu kommen und das europäische Haus mit Leben zu füllen. Er beendete seine interessanten Ausführungen mit dem Ausruf „Vive l'amitié franco-allemande – es lebe die deutsch-französische Freundschaft!“

Die Bedeutung der deutsch-französischen Beziehungen wurde den Schülerinnen und Schülern der Q11 durch diesen überzeugten Europäer noch einmal deutlich vor Augen geführt.

Sabine Mönch