Model United Nations an der Internationalen Schule in Stuttgart

Im Rahmen des P-Seminars Model United Nations von Frau Heimsoeth hatten wir die Möglichkeit, gemeinsam mit 500 anderen Schülerinnen und Schülern, die aus der gesamten Welt dafür angereist waren, an einer Politiksimulation in Stuttgart an der Internationalen Schule teilzunehmen.

Model United Nations (MUN) ist ein Planspiel, in dem Jugendliche in die Rolle von UN-Abgeordneten schlüpfen und Resolutionen verabschieden. Dabei werden die Teilnehmer für internationale Politik sensibilisiert, indem sie diplomatische Verhandlungen und Diskussionen, sowie Lobbyarbeit selbst durchleben.

Die von uns vertretenen Länder waren Algerien, Australien, Bahrain und Brasilien, die wir in unterschiedlichen Ausschüssen vertreten haben. Jeder Ausschuss befasste sich mit verschiedenen Themen, mit denen wir uns zuvor ausgiebig auseinandergesetzt hatten. Die Themen reichten von Terrorbekämpfung über Menschenrechtsverletzungen bis hin zu städtischer Entwicklung.


Am Donnerstagmorgen, den 30. März reisten wir nach Stuttgart und besuchten am Nachmittag die Eröffnungszeremonie des Planspiels, bei der neben der allgemeinen Begrüßung und einiger Reden auch kulturelle Beiträge in Form von Musik und Tanz zum Besten gegeben wurden. Im Anschluss nutzten die Schüler unseres Kurses die freie Zeit, um sich ein erstes Bild von Stuttgart zu machen, indem wir den Abend am Schlossplatz ausklingen ließen.

Am nächsten Morgen gingen wir zum ersten Mal in unsere Ausschüsse, woraufhin die Debatten der zugewiesenen Themen begannen. Wie bei der UNO üblich, wurden diese durch „Lobbying“ eröffnet, bei dem die Delegationen versuchen, Unterstützer der eigenen Resolution zu finden, die jeder Delegierte daheim verfasst hatte. Die Resolutionen von Algerien in der General Assembly 1 sowie von Bahrain in der General Assembly 6, die von Schülerinnen und Schülern unseres Seminars entworfen wurden, haben genug Unterstützer gefunden, um später im Ausschuss besprochen und debattiert zu werden. Auch „Amendments“ – Veränderungen einer Resolution – die von uns verfasst wurden, haben bei der Abstimmung im Ausschuss mehrfach die Mehrheit der Stimmen für sich gewonnen.


Wichtigste Regeln auf der gesamten Konferenz waren die ausnahmslose Anwendung der englischen Sprache, dass jede Delegation NICHT ihr wirkliches Herkunftsland vertreten durfte, und dass alle Teilnehmer sich nach den geltenden UN-Richtlinien für Debatten, wie z.B. die Verwendung der verpflichtenden Redeformeln für die parlamentarische Debatte sowie Zwang zu Business-Anziehsachen, verhalten mussten.


Abgesehen von dem sehr realitätsnahen und strikt eingehaltenen Ablaufplan gibt es bei MUNs auch Traditionen, die eher der Unterhaltung dienen. Bei Zuspätkommen bekam man beispielsweise „Bestrafungen“, bei denen man unter anderem tanzen und singen musste. In der General Assembly 1 kam es dadurch zu einem Rap-Battle und der Aufführung der algerischen Nationalhymne durch die Delegierten, die den nicht existenten Text „auswendig“ kannten. Des weiteren ist es üblich, dass während den Sitzungen Zettel von Delegierten ausgetauscht werden, um miteinander zu kommunizieren – jedoch nicht immer nur über Politisches. Zettel, die dem eigentlichen Zweck nicht entsprachen, kamen in die „Gossip Box“ und wurden später vorgelesen, sehr zum Vergnügen der Anderen.


Am Samstag wurde weiterhin an den verschiedenen Resolutionen gefeilt und über diese abgestimmt. Abends mussten wir, aufgrund einer ungefährlichen Zug-Entgleisung, weit nach Hause laufen, jedoch war die Stimmung des Abends aufgrund der kommenden MUN-Party auch hiermit nicht getrübt. Wir verbrachten den Abend in einem Club in der Innenstadt mit den anderen Schülern, was den letzten Abend perfekt abrundete.


Am Sonntag, dem letzten Tag der Konferenz, folgten die Abstimmung über die in den Ausschüssen erarbeiten Resolutionen durch die Generalversammlung, in der alle Ausschüsse zusammen saßen, sowie die Closing-Ceremony, bei der Paul Rolle und Tom Wagner-Manslau, die Delegation von Algerien des Otto-von-Taube Gymnasiums, zu „Best Delegates“ gekürt wurde, nachdem die Resolution, die sie vorbereitet hatten, ratifiziert wurde.


Nach einer sehr erkenntnisreichen und erfolgreichen Woche, in der wir miterleben durften, wie Politik im internationalen Rahmen funktioniert, können wir die Vorgänge in den Vereinten Nationen nun besser nachvollziehen und auf eine sehr schöne Reise nach Stuttgart zurückschauen. Daher freuen wir uns alle schon sehr, im Juni wieder eine MUN, diesmal jedoch in Oldenburg zu besuchen.


Mirjam Schobel, Paul Rolle und Tom Wagner-Manslau, Q11