Abba Naor

Am Donnerstag, den 9. März, besuchte Abba Naor einmal mehr unsere Schule und erzählte seine (Über-)Lebensgeschichte - wenige Tage zuvor hatte er noch den amerikanischen Vizepräsidenten Mike Pence durch die KZ-Gedenkstätte Dachau geleitet.

Seit 18 Jahren kommt Abba Naor an unsere Schule, um seine Geschichte zu erzählen, so lang, dass er uns als seine „Kinder“ bezeichnet. Der mittlerweile 89-jährige gebürtige Litauer trug seine bewegende Geschichte vor den versammelten neunten Klassen vor. Der Zeitzeuge erzählt uns davon wie er ins Ghetto Kaunas kam, dort seinen großen Bruder verlor, er erzählt von seiner Zeit im Konzentrationslager Stutthof, wo er von seiner Mutter getrennt wurde - und sie nie weidersah. Er erzählt, wie er von seinem Vater in Utting am Ammersee getrennt wurde, ins Außelager Kaufering I. kam und dort endlich einige Freunde fand. Am Ende lässt er uns durch die Grauen des Todesmarsches erschaudern, von welchem er am 24. April 1945 von den Amerikanern befreit wurde. Abba Naor berichtet uns aber auch von seinen Kindern, seinen Enkeln und Urenkeln, die nur leben, weil er damals den Holocaust überlebt hat. Viele von seinen Urenkeln sind in unserem Alter. Diese Analogie nutzt er, um uns zu verdeutlichen, dass es wir hätten sein können. Eineinhalb Millionen Kinder wurden von den Nazis getötet: „Wie kann jemand Kinder umbringen?“, fragt er, nur, weil sie einer Religion angehören, welche sie sich nicht einmal selbst aussuchen konnten. Aber seine Erlebnisse sind ihm nicht das Wichtigste, was er uns mit diesem Vortrag mitgeben will, denn er kann seine Geschichte nicht mehr lange erzählen. Daher müssen wir seine Erinnerung in uns tragen. Es ist nun unsere Aufgabe zu verhindern, dass solche Gräuel noch einmal irgendwo irgendwem angetan werden können. Selten hören Schüler so gebannt zu: Abba Naor erzählt eine Vergangenheit, die nie Zukunft werden darf.
Abba Naor kommt nicht nur zu uns, um seine Geschichte zu erzählen, sondern ist auch unser wichtigster Ansprechpartnern, wenn es um den Austausch mit unserer israelischen Partnerschule in Givat Brenner geht. Dieser findet im Rahmen des P-Seminares „Israel“ unter der Leitung von Herr Greif jedes Jahr statt, Ende Juli besuchen uns die israelischen Austauschschülerinnen und Schüler, Ende Oktober erwidern wir den Besuch mit einer neuntägigen Reise nach Israel.

Philipp Klingan & Sophia Maier, Q11


Über den Besuch von Abba Naor berichtete auch die Süddeutsche Zeitung:
www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/gauting-lebende-geschichte-1.3412789