Besuch des amerikanischen Konsuls am Otto-von-Taube Gymnasium – ein Beispiel für Diplomatie

Diese Woche am Otto-von-Taube Gymnasium war geprägt von einer Reihe interessanter und besonderer Vorträge prominenter Gäste. Den Auftakt dazu bildete am Montagvormittag der Besuch des Konsuls für Öffentliche Angelegenheiten des Amerikanischen Generalkonsulats in München.

Unsere Schulleitung, Frau Wischnevsky, und die Fachschaftsleitung Englisch, Frau Lengler, begrüßten in der Kleinen Aula Herrn Stephen Ibelli, der mit den Schülerinnen und Schülern der Q 12 ein knapp anderthalbstündiges Gespräch über das Leben eines Diplomaten, deutsch-amerikanische Beziehungen und amerikanische Politik führte.

Der Talk fand im Rahmen eines Programms der amerikanischen Botschaft und der Konsulate in Deutschland statt: Meet US – hier bekommen Jugendliche in Deutschland „die Gelegenheit, mit Amerikanern in informellen Gesprächsrunden zusammenzutreffen, um mehr über das tägliche Leben in den Vereinigten Staaten zu erfahren“ (de.usembassy.gov).

Herr Ibelli gab den Zwölftklässlern*innen einen interessanten und kurzweiligen Einblick in das Leben und den Dienst eines Diplomaten, der alle drei Jahre an eine andere Botschaft oder ein Konsulat weltweit versetzt wird und dadurch sehr viele Länder und Kulturen kennen lernt. Herr Ibelli war zuvor auch in der Wirtschaft tätig und arbeitete in Saudi-Arabien und Äquatorialguinea. Dazu kommen zwei Jahre Dienst als Freiwilliger im Peace Corps (Friedenscorps) in Afghanistan. In Folge seiner Diplomaten-Laufbahn verbrachte er jeweils einige Jahre in Libyen, Tunesien, Irak, Moskau und nun in Deutschland. Nicht nur von dem Diplomaten selbst, sondern auch von der Familie wird ein hohes Maß an Flexibilität gefordert. Ibellis Kinder haben schon sieben Male die Schule wechseln müssen.

Die Schülerinnen und Schüler bekamen anschließend die Gelegenheit, selbst Fragen zu stellen, die sehr viele gerne nutzten. Dabei wurden zahlreiche Themen gestreift wie z.B. die Vereinbarkeit der eigenen persönlichen politischen Einstellung mit der der jeweiligen amerikanischen Regierung, und die Möglichkeit selbst politisch zu handeln. Auch kritische Fragen äußerten die Schülerinnen und Schüler, unter anderem zum laufenden Impeachment-Verfahren gegen den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump. Herr Ibelli, zweifelsohne ein charismatischer Redner, beantwortete alle Fragen ausführlich, anschaulich, aber auch sehr diplomatisch. Das Impeachment-Verfahren gegen Trump sei ein Beispiel praktizierter Demokratie und Teil des Systems der Checks and Balances, erklärte er gelassen.

Die Gautinger Jugendlichen brachten natürlich auch das Thema Waffen zur Sprache: Herr Ibelli erklärt, wie sehr Waffenbesitz Teil der amerikanischen Kultur sei, und räumt den großen Einfluss der NRA (National Rifle Association) ein. Gleichwohl aber werde in den USA sinnlose Gewalt verurteilt: Gerade die Schießereien in den letzten Jahren hatten zahlreiche Proteste der (besonders jüngeren) Bevölkerung zur Folge, sodass sich der Beginn eines Wandels und eines Umdenkens abzeichnet.

Fragen traten ebenfalls zur Rolle der USA als „Weltpolizei“ auf, was in den aktuellen Unruhen in Hongkong konkretisiert wurde.
An manchen Stellen hätten sich wohl die Schülerinnen und Schüler, die kurz vor dem Abitur stehen und das Thema USA im Englischunterricht ausführlich behandelt haben, noch weiter gehende Informationen und Fakten sowie eine persönliche Positionierung Herrn Ibellis gewünscht.

Der Konsul verwies unter anderem auf den großen Anteil der US-Bevölkerung mit einem „German background“ und betonte die Gemeinsamkeiten der Deutschen mit den Amerikanern sowie ihre langjährige Freundschaft. Eine bedeutende Gemeinsamkeit ist das Leben in einer freiheitlichen Demokratie und der damit verbundenen Werte. Dies erscheint uns als eine Selbstverständlichkeit, die jedoch in vielen Ländern dieser Erde nicht gegeben ist.

Außerdem gab Herr Ibelli den Schülerinnen und Schülern noch eine andere wichtige Botschaft mit: Mit Fremdsprachenkenntnissen, Flexibilität, Offenheit anderen Menschen und Kulturen gegenüber sowie einem guten Umgang mit Stress seien sie gut für ein Leben in einer modernen globalisierten Welt gewappnet.

Vielen Dank für Ihren Besuch, Mr. Ibelli!

Heidi Lengler