„Vergesst nicht!“

Unter diesem Motto stand die Gedenkstunde auf dem Jüdischen Friedhof Gauting, die in diesem Jahr erneut am Totensonntag, dem 24. November, stattfand. Daran beteiligten sich einmal mehr Schülerinnen und Schüler des Otto-von Taube-Gymnasiums.

Am 24. November versammelten wir uns im Rahmen des P-Seminars am jüdischen Teil des Gautinger Waldfriedhofs, um der späten Opfer des Holocaust, die hier ihre letzte Ruhestätte fanden, zu gedenken. Neben Abordnungen der Schulen des Würmtals, also des Otto-von-Taube-Gymnasiums, des Feodor-Lynen-Gymnasiums und des Kurt-Huber-Gymnasiums, nahmen auch etwa zehn Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus dem Umland an der Veranstaltung teil, darunter auch der ehemalige Gautinger Bürgermeister Dr. Knobloch, der bereits 1985 Kontakt zu Holocaustüberlebenden des Todesmarsches suchte und damit das bis heute andauernde bürgerschaftliche Engagement in der Erinnerungsarbeit in Gauting wie im Würmtal initiierte.

Zur Eröffnung wurde ein Ausschnitt aus dem Psalm 103 von Nikola David, Kantor der Liberalen jüdischen Gemeinde München, vorgetragen. Hannes Stumpf, Vorsitzender des Vereins „Gedenken im Würmtal“ begrüßte die Anwesenden, bevor die Erste Bürgermeisterin von Gauting, Frau Dr. Brigitte Kössinger, in ihrem Grußwort an die Schülerinnen und Schüler appellierte, dass auch in Zukunft an die Opfer der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus erinnert werden muss.

Darauffolgend nahm Sabine Baumgartner die rund siebzig Teilnehmer mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit 74 Jahre zurück und schilderte eindrücklich das Leben der sogenannten DP’s: Die meisten der hier Beigesetzten waren die letzten Opfer des nationalsozialistischen Regimes, die aufgrund der Ihnen zugefügten Leiden erkrankt waren. Sie wurden hier nach jüdischem Ritus bestattet, nachdem sie Verschleppung, Zwangsarbeit, Konzentrationslager oder den Todesmarsch überlebt hatten. Schwach, dem Hungertod nah und todkrank, kamen sie ab Sommer 1945 ins Hospital für „Displaced Persons“, das im ehemaligen Lazarett für Lungenkranke am Gautinger Ortsrand eingerichtet worden war - heute Standort der Asklepiosklinik. Als die ersten jüdischen Patienten verstarben, forderte das jüdische Patientenkomitee einen eigenen Begräbnisort für eine traditionelle jüdische Beisetzung. Dafür gab die Gemeinde Gauting ein Areal südlich des Waldfriedhofs frei. Bei der Einweihung (Oktober 1947) wurde ein Denkmal, vermutlich das erste Holocaust-Denkmal Deutschlands, zu Ehren der sechs Millionen Juden errichtet, das bis heute die Friedhofsanlage nach Osten hin dominiert.

Anschließend verlasen jeweils drei Schüler der drei anwesenden Schulen die Namen der 171 auf dem Friedhof ruhenden Juden und gaben ihnen damit wieder einen Platz in unserer Mitte. Nach der Lesung wurde von Dr. Jan Mühlstein von der Liberalen jüdischen Gemeinde München das Kaddisch, ein Gebet zu Ehren Gottes, gesprochen. Zum Abschluss legten alle Anwesenden, nach jüdischer Sitte, Steine auf die Gräber der Verstorbenen.

Es war eine sehr würdige und mahnende Veranstaltung - auch zukünftig muss immer wieder an dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte erinnert werden.

Bernhard Krenn, Philippe Garraud für das P-Seminar Israel (Q11)