Ein Einblick in die Antike

Bei den Römertagen (10. und 11.04.2019) hatten ausgewählte Schülerinnen und Schüler aus den 5. und 6. Klassen auch in diesem Jahr dank des Archäologen Bernhard Bischler die Möglichkeit mehr über das alltägliche Leben im Europa zur Zeit des Imperium Romanum zu erfahren.

Während andere Schülerinnen und Schüler sich im Unterricht befinden, sitzt ein Teil der 5c im Computerraum West und versucht, eine Antwort auf die Frage des Archäologen Bernhard Bischlers zu finden: „Was macht ein Archäologe überhaupt? Und warum macht man das?“?Schnell wird sich darauf geeinigt, dass man „in der Erde herumbuddelt“, wie es Herr Bischler ausdrückt, um herauszufinden, wie die Menschen früher gelebt haben.
Dabei muss man aber auch vorsichtig und zielgerichtet vorgehen, erklärt er – damit eine Grabstätte nicht beschädigt wird. Und damit man nichts verpasst, werden teilweise Jahre auf wenige Quadratmeter verwendet. Deshalb fängt man mit den Ausgrabungen in der Regel auch erst an, sobald man sich sicher sein kann, etwas zu finden. Nur selten werden sogenannte „Notgrabungen“ veranlasst, meistens dann, wenn zum Beispiel auf Baugrundstücken etwas von archäologischem Wert gefunden wird.

Die nächste Frage bezieht sich nun auf die tatsächliche Vergangenheit: wer lebte eigentlich im heutigen Gauting um 500 v. Chr.? Die Frage ist ein wenig irreführend, denn obwohl wir bei den Römertagen sind, lebten hier nicht die Römer, sondern die Kelten. Das führt zu einem längeren Vortrag über die Eroberungsversuche der Römer über Germanien und insbesondere der Varusschlacht. Die Kinder hören gespannt zu und tragen immer wieder selbst etwas bei – etwa das berühmte Zitat des Octavian „Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder!“

Da es den Römern weiterhin nicht gelang, das damalige Germanien und Gallien wirklich zu erobern, wurde der Limes errichtet – ein Wall, der sich (zumindest auf dem heutzutage deutschen Gebiet) über 500 Kilometer zog, erklärt Herr Bischler. Zunächst bestand er in erster Linie aus Holzpfählen, die aber relativ bald morsch wurden und daher durch Stein ersetzt werden mussten (deswegen konnte auch so viel zu der Beschaffenheit des Limes herausgefunden werden). Zusätzlich waren immer wieder Wachttürme aufgestellt, bei denen Soldaten bis zu drei Monate hintereinander stationiert wurden.

Hier beginnt einer der praktischen Teile des Römertages – Herr Bischler hat nämlich mehrere Rekonstruktionen einer Rüstung für die Schüler_innen mitgebracht: einen Helm, ein Kettenhemd, ein Schwert und einen Schild (s. Bilder). Zunächst erläutert er den Gedankengang hinter der Konstruktionsweise der einzelnen Rüstungsteile, etwa den Nackenschutz und die Seitenklappen am Helm oder den Buckel in der Mitte des Schildes. Anschließend können sich die Schüler_innen (bis auf das Schwert) alles selbst ansehen, in die Hand nehmen und sogar anziehen.

Zum Abschluss der spannenden Doppelstunde in Archäologie dürfen die Schülerinnen und Schüler auch selbst tätig werden und Gläser mit ihren Initialen oder selbst ausgewählten Sprüchen gravieren.
Am zweiten Tag steht der kulinarische Aspekt auf dem Programm – gemeinsam mit Schüler_innen der 6. Klassen gestaltet Herr Bischler ein Vier-Gänge-Menü, das in der Form tatsächlich auch im Römischen Reich hätte zubereitet werden können:

Als Vorspeise dient ein Salat aus getrockneten Oliven, Knoblauch und Olivenöl. Zunächst müssen die einzelnen Zutaten kleingehackt und vermischt werden. Währenddessen kocht man Eier ca. 8-10 Minuten und isst anschließend alles zusammen.

Zusätzlich dazu wird ein pikanter Kräuterquark mit Asafoetida (inzwischen eher als „Teufelsdreck“ bekannt, ein Gewürz, das im Alten Rom so beliebt war, dass es fast ausstarb und inzwischen nur noch in Vorderasien zu finden ist) und Gartengemüse wie Gurken serviert.

Das tatsächliche Hauptgericht ist ein Linseneintopf: Zunächst werden alle Zutaten (Berglinsen, Karotten und weiteres Gemüse) angebraten, dann aufgegossen und mit garum (Fischsoße) abgeschmeckt. Der Eintopf muss aber etwas länger köcheln, bis er essfertig ist.

Sogar das Brot wurde von den Schüler_innen selbst gebacken. Zuerst wird Traubensaft mit Hefe und Mehl vermischt – die Hefepilze reagieren auf die Fructose im Saft, wodurch der Teig beginnt, zu gehen. Daraufhin werden noch Gewürze wie Kreuzkümmel, Gelbwurz und schwarzer Sesam hinzugefügt. Anschließend werden aus dem Teig Brötchen geformt und im Ofen aufgebacken.

Der letzte Gang ist selbstverständlich ein Nachtisch: Getrocknete Datteln, Weintrauben und Nüsse.
Natürlich ist dies alles kein Vergleich zu dem Angebot, das man heute in einem Supermarkt finden kann, aber eigentlich haben sich die Kernbestandteile der europäischen Küche kaum verändert. Und diese Verbindung zwischen Antike und Gegenwart wurde den Schülerinnen und Schülern eindrücklich gezeigt.

Kora Kukuj, Q12