Wissenschaftstag des TUMKollegs

Der Wissenschaftstag war auch im Jahr 2019 wieder ein voller Erfolg.

Wie jedes Jahr auch wurde zuerst das Konzept des TUMKollegs dargelegt: Das Studium Generale als Einblick in die einzelnen Fakultäten und Hilfe in der Studienentscheidung, das Auslandspraktikum bei verschiedenen Unternehmen in der ganzen Welt, die Forschungsarbeit, die den TUMKollegiaten einen tieferen Einblick in ein Fachgebiet und den Forschungsprozess allgemein ermöglicht und nicht zuletzt eben der Wissenschaftstag, an dem das TUMKolleg seine Arbeiten und Praktika präsentiert und Bewerber informiert.

So ist es üblich, dass am Wissenschaftstag einige Forschungsarbeiten des Jahrgangs erklärt werden: in diesem Zusammenhang berichtete Julia Holl über ihre Forschungsarbeit, in der sie eine App entwickelte, die Blinden und Sehbehinderten mithilfe von künstlicher Intelligenz dabei hilft, beim Einkaufen Produkte korrekt zu identifizieren. Florian Haschberger erklärte das Konzept von Kolbenkühldüsen und deren Anpassung für kleinere Motoren, wie sie in PKWs verbaut werden. Durch den Einbau von den von ihm angepassten Kolbenkühldüsen in PKWs ergibt sich ein Einsparpotential von - allein in Deutschland - 1,4 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr, also in etwa den Emissionen von ganz Regensburg. Lea Lange präsentierte ihre Arbeit, in der sie den Einfluss verschiedener Faktoren auf den beruflichen Erfolg in der Branche des Wirtschaftsprüfers ermittelte. Dabei ist und bleibt das Geschlecht relevant, wobei auch andere Faktoren wie der Ausbildungsort und die geschäftlichen Kontakte eine Rolle spielen. Nach den Forschungsarbeiten wurden auch verschiedene Auslandspraktika präsentiert. Ein besonderes Highlight stellte dabei ein Kuchen dar, der einer Weltkarte nachempfunden ist und an dem eine kleine TUM-Flagge alle Orte markiert, an denen ein TUMKollegiat im Praktikum war.

Johanna Mayr und Oskar Pfister waren ganz am Rand des Kuchens: sie stellten ihr Praktikum bei iwis, dem Weltmarktführer für technische Ketten, in Shanghai vor. Dort waren sie sowohl in die Organisation einer multinationalen Firma wie iwis eingebunden als auch am tatsächlichen Prozess der Kettenherstellung beteiligt. Danach präsentierten Lea und Sophie Unz ihr Praktikum im LEKMA-Hospital in Accra, Ghana. Dort verbrachten sie Zeit an verschiedenen Stationen und bekamen so einen Überblick über das Umfeld eines Krankenhauses in einem Entwicklungsland. Ein Wochenende verbrachten sie im 650 km entfernten Mole-Nationalpark und beobachteten sowohl die afrikanische Fauna als auch die - für uns unvorstellbaren - Lebensbedingungen im ländlichen Ghana. Leon Rauschning dagegen blieb in seinem Praktikum im Inland: Nach einem Praktikum an der Universität Konstanz, bei der er an einem Vertiefungskurs für Masteranden der Biologie teilnahm und einen wissenschaftlichen Mitarbeiter bei der Entwicklung einer Zelllinie begleitete, machte er ein weiteres Praktikum am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, bei dem er in der Bioinformatik arbeitete. Er trug über die Bioinformatik und ihre Abgrenzung zur Biologie vor. Abschließend stellten vier TUMKollegiaten, die im Zuge einer lang bestehenden Partnerschaft mit BMW ein Praktikum im BMW/Mini-Werk in Oxford absolviert hatten, ihr Praktikum vor. Sie arbeiteten sowohl im Management des Unternehmens als auch im "Digital Simulations Department", in dem sie verschiedene Teile des Werkes im Computer simulierten. Die TUMKollegiaten waren sich alle einig: ihre Praktika waren nicht nur sehr lehrreich, sondern gaben auch einen faszinierenden Einblick in andere Kulturen und Strukturen außerhalb der Schule. Nach dieser Einführung in das TUMKolleg gingen die externen Gäste und die Zehntklässler in die von TUMKollegiaten organisierten Workshops. Die Workshops waren praxisorientiert konzipiert, mit vielen Demonstrationen und Gelegenheiten für die Schüler, selbst Hand anzulegen. Dabei war ein breites Spektrum naturwissenschaftlicher Themen geboten: von Gelektrophorese über 3D-Druck und Virtual Reality bis zu einem Anzug, der Sensibiliät simuliert, war alles vertreten..

Die Schüler konnten in einem im Rahmen einer Forschungsarbeit gebauten Windkanal selbst versuchen, möglichst aerodynamische Formen aus Styropor zu schneiden oder in einem anderen Workshop spezifische Reibung von verschiedenen Oberflächen messen und darauf Strategien für die Reibungsminimierung in der Technik entwickeln.

Einige Schüler führten in einem Workshop eine Gelektrophorese, eine weit verbreitete Methode in der modernen Biologie, durch und konnten damit einen fiktiven Mordfall aufklären. Geleitet wurde dieser Workshop von Lea und Sophie Unz. In einem anderen Workshop, der von Lando von Etzel und Leon Rauschnig konzipiert wurde, konnten die zehnten Klassen (ungefährliche) Analysemethoden der anorganischen Chemie selbst durchführen und auch fortgeschrittenere Nachweise von zwei TUMKollegiaten demonstriert bekommen. Dieser Workshop ging darüber hinaus auf die Neutronenaktivierungsanalyse ein, eine radiochemische Nachweismethode, die im Zuge einer Forschungsarbeit am Forschungsreaktor in Garching zum Einsatz kam. In dem Workshop "Alltag im Alter", den Fiona Schlesinger und Julia Holl organisiert und durchgeführt haben, wurden die Schüler mit einem speziellen Anzug in die Situation eines älteren Menschen versetzt. Mit Hilfe eines Parcours und eines Sehtests konnten sie eine anschauliche Vorstellung über den Alltag eines älteren Menschen gewinnen.

Nach den Workshops hielt Phillip Baur als Alumnus des TUMKollegs einen Vortrag über seine Erfahrungen im und seinen Lebensweg nach dem TUMKolleg. Dadurch konnten sich angehende TUMKollegiaten einen Überblick verschaffen wie das TUMKolleg sie weiterbringen kann. Abgesehen von Phillip Baur war noch Luis Ammon als weiterer Alumnus des TUMKollegs beim Wissenschaftstag vertreten. Die Alumni standen den TUMKollegiaten und anderen Interessierten für interessante Gespräche über ihre aktuelle Beschäftigung und ihre Erfahrungen im TUMKolleg zur Verfügung. Als Gastredner hielt Prof. Dr. med. Marc Martignoni, Oberarzt am Klinikum rechts der Isar, dem Universitätsklinikum der medizinischen Fakultät der TUM, einen Vortrag mit dem Titel "Die gesunde Ernährung. Vom Neandertal zum Microbiom", indem er auf aktuelle wie historische Entwicklungen beim Thema Ernährung einging. Dabei erfuhren die Zuhörer, dass bereits die Neandertaler eine primitive Form von Medizin besaßen, indem sie Heilpflanzen verwendeten. Diese Form der Medizin entwickelte sich weiter und erreichte einen erstaunlichen Grad an Komplexität. Darüber hinaus diskutierte er, worauf man bei einer gesunden Ernährung achten sollte. So wurde den Zuhörern z.B. geraten, nicht gelegentlich Diät zu halten, sondern immer auf eine gesunde Ernährung zu achten - somit ist nicht nur die Lebensqualität erhöht, sondern auch das Ergebnis besser. Im Zuge des 10. Jubiläums des TUMKollegs schickten verschiedene Alumni des TUMKollegs Glückwünsche in Form von Videobotschaften an das aktuelle TUMKolleg; ein Zusammenschnitt dieser Glückwünsche wurde als "Geburtstagsspezial" für das 10. Jahr TUMKolleg gezeigt. Dabei berichteten die Alumni von ihrer derzeitigen Studiensituation und ihren besten Erfahrungen im TUMKolleg. Zu diesem besonderen Anlass konnten wir auf dem Wissenschaftstag auch Frau Dr. Brigitte Kössinger, erste Bürgermeisterin von Gauting, begrüßen. Darüber hinaus war auch Armin Eifertinger, Schulleiter des Werner-Heisenberg-Gymnasiums, als zweites Gymnasium im TUMKolleg, anwesend. Zum Wissenschaftstag kamen die TUMKollegiaten des Werner-Heisenberg-Gymnasiums und die Organisatoren der TU des TUMKollegs, insbesondere Frau PD Dr. Jutta Möhringer. Wir konnten uns wie in den Jahren davor wieder über viele externe Interessierte freuen. Nicht zuletzt waren selbstverständlich die zehnten Klassen des OvTG am Wissenschaftstag anwesend und nahmen mit großem Interesse und beispielhaftem Engagement an den Workshops der TUMKollegiaten teil. Moderiert wurde die gesamte Veranstaltung auf professionelle Art und Weise von den beiden TUMKollegiaten Fiona Schlesinger und Benedikt Eckardt.

Abschließend war der Wissenschaftstag auch im 10. Jahr des TUMKollegs ein voller Erfolg. Wir wünschen auch unseren Mit-TUMKollegiaten in Garching gutes Gelingen bei ihrem Wissenschaftstag am 20. Februar. TUMKolleg-Interessierte seien auch daran erinnert, dass die Bewerbung zum TUMKolleg noch bis zum 18.02. hier möglich ist.

Leon Rauschning, TUMKolleg Q12