Rückblick England - Austausch (10.–17.12.2018)

Obwohl für diesen kalten Montag eigentlich viel Schnee angesagt war, erreichte uns glücklicherweise keine Meldung, dass der Flugverkehr zwischen England und Deutschland ins Stocken geriete und so mussten wir uns keine Sorgen machen, dass unsere Gäste (wie letztes Jahr geschehen) erst drei Tage später in München eintreffen würden.

Um Punkt halb 5 erhoben wir uns also zuversichtlich von unseren Stühlen im Neubau und machten uns durch dichtes Schneegestöber auf zum S- Bahnhof in Gauting. Von dort würde uns die Bahn bis zum Hauptbahnhof bringen, wo wir unsere Gäste aus London abholen würden.
Leider waren wir um einiges zu früh dran, weshalb wir uns die Zeit bis zur Ankunft der S 8 vom Flughafen mit ausgiebigen Rundgängen durch den wunderschönen Münchener Hauptbahnhof vertrieben.
Dann war es endlich soweit und wir standen am Bahnsteig Spalier, um unsere Austauschpartner zu empfangen. Nachdem sich jede/r dem anderen vorgestellt hatte, wurden wir von Frau Müller und Frau Loos „entlassen“ und stiegen in die S 6 nach Tutzing, um den ersten Abend in den Gastfamilien zu verbringen. Am Bahngleis bekamen die Engländer bereits einen kleinen Vorgeschmack auf das, was in den folgenden Tagen mit dem einprägsamen Satz „Bitte beachten Sie...“ eine Art Kultstatus erreichen sollte. Doch dazu später mehr.

Während uns am Dienstag ein ganz normaler Schultag erwartete, absolvierten unsere Gäste hingegen schon eine erste große Rundtour durch München.
Zusammen mit Mister Collinson und Herrn Nürnberger, der eine exklusive Stadtführung anbot, ging es nach einem gemeinsamen Mittagessen in die BMW – Welt, die angesichts der in England produzierten Automarken bei unseren Gästen natürlich für großes Staunen sorgte, welches im Angesicht des Münchener Weihnachtsmarktes in der Residenz in Sprachlosigkeit umschlug- so viel geballte Weihnachtsfreude an einem Fleck, das hatte man in England noch nicht gesehen! Vielleicht war diese Sprachlosigkeit aber auch einfach nur auf die eisige Kälte, sowie auf die für diese Jahreszeit doch recht ungewöhnlich leichte Bekleidung der Londoner zurückzuführen, die bei uns für große Besorgnis sorgte, als wir unsere Gäste um 17.00 Uhr dort antrafen. Doch als wir uns, dick eingepackt in Schal, Mütze und Ski -Jacke nach dem Befinden unserer Partner erkundigten, winkten diese nur bibbernd ab und erwiderten zähneklappernd, dass man das in London immer so mache, es in England sowieso nie schneie und sie deshalb „okay“ seien. Nun gut, vielleicht konnte eine Tasse Punsch und ein Bissen Baumstriezl aber doch nicht schaden.
Als schließlich alle satt und munter waren, ging es gegen halb sieben wieder nach Hause ins warme und beschauliche Gauting. Der erste Kulturschock war also erfolgreich überstanden.

Am Mittwoch folgte der nächste kalte Tag, nur diesmal nicht in München, sondern in Augsburg, wohin die Engländer mit Frau Loos bereits auf dem Weg waren, als wir uns noch mit unserer Mathe – Klausur plagten. Als diese geschafft war, konnten wir uns gelassen auf den Weg nach Augsburg machen, wo wir uns gegen 11.00 Uhr am Augsburger Rathaus mit den anderen trafen. Nach einer kurzen Begrüßung machten wir uns auf in die berühmte Fuggerei, in der wir eine einstündige Führung durch die Anlage und interessante Einblicke in die die Geschichte der ältesten Sozialbauten der Welt erhielten. Ganz besonders hat mich die Größe der Anlage, erstaunt, sowie die Tatsache, dass jede Wohnung ihren individuellen gusseisernen Klingelzug besitzt, an dem sich die Menschen bei Dunkelheit früher orientieren konnten.
Im Anschluss an die Besichtigung wärmten wir uns im „Zeughaus“ auf, wo wir den Großteil der Zeit damit verbrachten, unseren Gästen die traditionelle Speisekarte zu erklären, wobei sich Google- Übersetzer eher als irritierendes, denn als nützliches Hilfsmittel erwies.
Anschließend begaben wir uns wieder zum Rathausplatz und dem dortigen Christkindlmarkt, um uns sodann zur nächsten Führung aufzumachen, diesmal durch die Augsburger Synagoge, sowie das Jüdische Kulturmuseum.
Als wir dieses gegen 17:30 Uhr verließen, mussten wir uns beeilen, um noch rechtzeitig unseren Zug zu erwischen, der uns pünktlich zum Bahnhof in Pasing brachte. Weniger pünktlich war hingegen die S - Bahn nach Tutzing und hier war es auch, wo mit dem automatischen Satz „Bitte beachten Sie…“ aus den Lautsprechern mit einem der bekanntesten Klischees gründlich aufgeräumt wurde, nämlich dass wir Deutschen immer „on time“ sind. Naja, jedenfalls kam die S 6 dann schließlich doch mit (satten) zwanzig Minuten Verspätung und so erreichten wir alle glücklich und zufrieden das weihnachtliche Gauting, beziehungsweise Stockdorf.  

Der Donnerstag hingegen verlief für uns Deutsche weniger spektakulär, doch für unsere englischen Gäste dürfte er ganz interessant gewesen sein, schließlich wanderten sie durchs Kiental bis zum Kloster Andechs, wo sie die bekannte Brauerei, das Sudhaus, sowie den Lagerkeller besichtigen durften. Daraufhin gab es ein gemeinsames Mittagessen im Klosterstüberl und zum krönenden Abschluss eine eineinhalbstündige Besichtigung der Allianz Arena in München um 16:00 Uhr.
Gegen 18:00 Uhr haben wir unsere völlig erschöpften Austauschpartner schließlich abgeholt, worauf wir uns nach einer kurzen Verschnaufpause auch schon wieder zum „Activity“- Spielen getroffen haben. Natürlich haben wir uns in ein deutsches und ein englisches Lager aufgeteilt, was angesichts der teilweise eigenartigen Begrifflichkeiten sicherlich für alle Beteiligten das Fairste war. So konnte jede Partei ihre Stärken ausspielen; die Deutschen machten ihre Punkte mit Erklären und Zeichnen, während die Engländer durch teilweise akrobatische Pantomime – Einlagen überzeugten. Insgesamt war es ein äußerst unterhaltsamer Abend und nun dürfte auch jeder wissen, was mit der Redewendung „Aus dem letzten Loch pfeifen“ gemeint ist.

Freitags ging es für uns Deutsche auch wieder in die Schule zur Kunst- oder Musikklausur, währenddessen staunten unsere Gäste nicht schlecht über die Ausmaße und Vielfallt des Deutschenmuseums. Der Nachmittag wurde dann vor allem als kleine Erholung genutzt, um das bereits Erlebte zu verarbeiten und einiges an liegengebliebenem Schulzeug aufzuarbeiten. Nur um abends wieder voll durchzustarten, da trafen wir uns nämlich wieder alle zusammen und verbrachten einen schönen, langen Abend mit Kickern, Billard, netten Gesprächen und einer fast obligatorischen Runde „Activity“, wo wir dieses Mal in kleineren, teilweise gemischten, Gruppen mit neuen Herausforderungen zu kämpfen hatten.

Den Samstag über hatte jede Austauschfamilie ihr eigenes vielfältiges Programm, abends trafen wir uns jedoch wieder, um ein deliziöses Festmahl in Form von Schweinebraten mit Knödeln zu vernichten, gefolgt vom Austausch kultureller Besonderheiten der Länder in Form einiger bekannter Komiker bis spät in die Nacht.

Nach dem dringend benötigten Ausschlafen am Sonntag trafen wir uns gegen 11 Uhr zu einem traditionellen bayerischen Weißwurschtfrühstück mit frischen Brezen, Und nach dieser durch ausführliche Gespräche sehr ausgedehnten Mahlzeit machten wir uns noch einmal auf, um in winterlicher Kulisse das Nymphenburger Schloss zu besichtigten. Aber trotz ausführlicher Betrachtung aller Räume und Infotafeln waren wir schneller durch als erwartet, deshalb besichtigten wir noch das nahegelegene Museum Mensch und Natur, woärten wir unseren Gästen auch die Geschichte unseres Bären Bruno erklärten, der dort ausgestellt ist. Nach dieser großen Portion Wissens ging es wieder in die Familien um einen ruhigen Abend zu verbringen.

Für den Montag stand dann auch der langersehnte Besuch der Londoner in der Schule an. Herbei durften sie viele Klassen besuchen, wurden von zahlreichen Fragen gelöchert und konnten in der zweiten Pause auch kurz mit Frau Wischnevsky über den Brexit diskutieren. Mittags gab es dann noch ein großes gemeinsames Abschlussessen in der Mensa, nach welchem die gesamte Gruppe sich zum Bahnhof aufmachte, um dort wie fast schon erwartet den altbekannten Satz vernehmen zu dürfen. Schließlich aber begaben sich die Engländer mit nur 5 Minuten Verspätung auf die Heimreise.

Abschließend lässt sich sagen, dass unsere englischen Gäste und wir eine tolle Woche hatten, viel erlebt haben und uns schon auf den Rückbesuch nach London freuen, um dort noch mehr tolle Erinnerungen zu sammeln…

Benedikt Gotzens und Julian Drexler