Früh übt sich – Ergebnisse der Juniorwahl

Wie wichtig es für eine Demokratie ist, dass sich ihre Bürger aktiv an ihr beteiligen und ihre Meinung offen kundtun, kennen wir schon früh aus der Schule oder von unseren Eltern.

Trotzdem fühlen sich junge Menschen oft frustriert. Sie haben den Eindruck, kaum Einfluss auf die Politik nehmen zu können. Das stimmt jedoch nicht ganz. Auch wenn sie erst ab 18 wählen dürfen, so gibt es trotzdem verschiedene Möglichkeiten als Jugendlicher am politischen Geschehen teilzuhaben. Ob in Jugendorganisationen von Parteien, in den alltäglichen Gesprächen des Alltags in Familie, Schule, Sportverein, mit Freunden usw., im Kontakt mit Politikern oder auch bei Kundgebungen, Informationsveranstaltungen, vielleicht auch bei Demos, auch unter 18 sind viele Möglichkeiten geboten, Meinungen zu bilden und sich darüber selber einzubringen.

Auch der Wahlkurs „Politik & Zeitgeschehen“ bot solch eine Möglichkeit an. Wir riefen die 10. Klassen dazu auf, in der Juniorwahl ihre politische Meinung zum Ausdruck zu bringen. Dafür arbeiteten die 10. Klassen schon vorher zu verschiedenen Themen rund um die Wahl und über die Stellwände in der Kleinen Aula konnten sich dann auch viele weitere genauer informieren.

In der Woche vor dem Wahlsonntag gaben dann 101 der 110 Stimmberechtigten ihre Meinung kund. Damit lag die Wahlbeteiligung bei 91,8%. Bei der anschließenden Auswertung in den einzelnen Klassen in Bezug auf die tatsächlichen Wahlergebnisse ergaben sich naturgemäß Unterschiede. Zu erkennen war, dass das Wahlergebnis zwar deutlich von dem ganz Bayerns und auch vom Stimmkreisergebnis abwich, jedoch sehr ähnlich zu den abgegebenen Stimmen des Wahlkreises München-Mitte ausfiel. Alter plus Herkunft unserer JuniorwählerInnen dürften sich hier bemerkbar machen. Junge Menschen wenden sich zunehmend von der CSU und der SPD ab. Sehr stark hingegen schnitten Grüne und FDP ab. Die FDP lag dabei teilweise zehn Prozent über den Vergleichswerten der Landtagswahl, oft war zuvor die Rede von der Digitalisierung der Schulen. Ebenso alterstypisch ist das relativ gute Abschneiden von Ein-Themen- oder Nischenparteien, womit dann sogar nicht nur die Piraten gemeint sind.

Außerdem fielen schon vor der Wahl deutliche Schwankungen zwischen einer ersten intuitiven Wahlabsicht und den Empfehlungen des Wahlomat auf. Mit den Juniorwahlergebnissen hatten wir dann dritte Werte, die wieder anders ausfielen. In einigen Klassen wurden diese Verläufe dann herausgearbeitet und nach Gründen gesucht. Vieles (allzu vieles?) beeinflusst am Ende unsere tatsächliche Wahlentscheidung!

Und auch eine Besonderheit des bayerischen Wahlrechts konnte in den Klassen nachvollzogen werden: Anders als bei der Bundestagswahl zählen für die Stärke einer Partei im Landtag nicht nur die Zweitstimmen, sondern zusätzlich auch die Erststimmen. Als wir dann nur das Zweitstimmenergebnis daneben legten, wurden deutliche Effekte sichtbar. Erstens begünstigt der bayerische Modus die größeren bzw. eh schon erfolgreicheren Parteien, hier CSU und Grüne. Zweitens stärkt er im Gesamtergebnis das Lokale und den direkten Personenbezug. Die eben tatsächlich seit Jahren bekannten und präsenten Stimmkreiskandidatinnen von CSU und Grünen schnitten mit ihren Erststimmen sogar noch besser ab als ihre Parteien bei den Zweitstimmen. Das heißt, hier wählten einige entgegen ihrer Parteipräferenz – dann mutmaßlicherweise – bewusst eine andere Person. Gleichzeitig war in dem Vergleich sichtbar, wie Parteien ohne lokal präsente Kandidaten dafür quasi bestraft wurden, weil mit weniger Erststimmen sich dann auch das Gesamtergebnis für die Partei verschlechterte. Die meisten fanden diese Effekte positiv.

Wir freuen uns, dass auch viele andere Schülerinnen und Schüler das Informationsangebot und das Treiben in der Kleinen Aula rund um die Juniorwahl verfolgten und sich mit eine politische Meinung bilden.

Emanuel Hellwich für den Wahlkurs „Politik & Zeitgeschehen“