Besuch des MLL in Großhadern

Am Donnerstag den 12.04.2018, hatten wir, das TUM 11 zusammen mit Frau Hauptmann, die einzigartige Chance, einen Blick in das Münchner Leukämielabor zu werfen. Leon Rauschning, einer unserer Mitschüler, hat uns die Möglichkeit eröffnet, vom Geschäftsführer Prof. Dr. med. Dr. phil. Torsten Haferlach persönlich durch die Räumlichkeiten geführt zu werden.

Gegen 15:00 Uhr kamen wir bei der Firma an und wurden gleich bestens betreut. In einem Konferenzraum wurde uns die Problematik der vielen Erkrankungen erläutert, die umgangssprachlich als „Krebs“ bezeichnet werden und die hier hauptsächlich diagnostiziert, aber auch behandelt werden. Durch den demographischen Wandel verursachen derartige Erkrankungen einen immer größeren Anteil an der verlorenen Lebensqualität durch Krankheiten in Industrieländern. Darum besitzt das MLL ein überaus großes Maß an Verantwortung, weil Patienten aus der ganzen Welt von ihnen Diagnosen für Leukämien oder Lymphome erhalten. Über vier Stockwerke untersuchen die über 150 Mitarbeiter des MLL pro Tag bis zu 400 Proben, die ihnen von Ärzten oder Kliniken zugesendet werden.

Das MLL weiß vor der Ankunft der Proben morgens nicht, wie viele Proben sie an diesem Tag analysieren müssen. Auch darum läuft ein Großteil des Ablaufes voll automatisiert ab. Jede Probe wird mit einem Barcode identifiziert. Die Analysegeräte und zahlreichen Pipettierroboter laufen größtenteils automatisch; die Mitarbeiter müssen nur noch die Platten in die Geräte einlegen und die Daten analysieren.

Der Laborkomplex ist das perfekte Beispiel für ein voll digitalisiertes Unternehmen. Jedes Gerät sendet an die andern Geräte und die Rechner der Mitarbeiter, an welcher Probe gerade welche Analyseschritte durchgeführt werden. Besonders beeindruckt haben uns natürlich die NovaSeq 6000 Genom-Sequenzierer, welche insgesamt mehrere Millionen Euro wert sind und in vierzig Stunden bis zu dreißig Genome in hundertfacher Auslesung sequenzieren, um genetische Mutationen zu finden. Mit diesen führt das MLL gerade sein Projekt durch, aus den eigenen Archiven 5.000 Genome von Leukämien zu analysieren. Alle analysierten Proben werden nach Abschluss der Analyse eingefroren und in riesigen Gefrier-schränken aufbewahrt, welche nach dem System der „chaotischen Ordnung“ jede Probe platzieren und jederzeit auch mittels Greifarm den Mitarbeitern wieder zur Verfügung stellen können. Über den gesamten Komplex stehen derartig moderne und teure Geräte in sterilen und immer aufgeräumten Laboren. Durch die strengen Regeln für Mitarbeiter sehen alle Labore aus wie in einem Katalog. Die Zeit verging wie im Flug und plötzlich waren wir über ein Labyrinth aus Laboren wieder in unserem Konferenzraum angelangt. Und nachdem alle Fragen noch geklärt wurden sind wir gefüllt mit vollkommen neuen Eindrücken nach Hause gefahren.

Oskar Pfister im Namen des TUM-Kollegs