Israel-Austausch 2017: Begegnung mit einem einzigartigen Land

Wie schon im Vorjahr war der traditionelle Austausch des OvTG mit der „Givat Brenner Regional High School“ im Rahmen eines P-Seminars inhaltlich wie organisatorisch intensiv vorbereitet worden.

In der Woche vor den Herbstferien war es dann so weit und wir durften unsere Reise in ein vielen so fremdes Land, Israel,  antreten. Schon die Einreiseformalitäten und Sicherheitsmaßnahmen durch die israelischen Behörden am Münchner Flughafen wie auch am Flughafen Ben Gurion waren zäher und langwieriger als wir je vermutet hätten.

Am Flughafen in Tel-Aviv wurden wir herzlichst von unseren Austauschschülern in Empfang genommen und verbrachten die meisten Abende alle zusammen, obwohl die Familien deutlich weiter verstreut wohnen als hier. Die „Givat Brenner Regional High School“ liegt, dem OvTG in Gauting vergleichbar, im südlichen Speckgürtel von Tel Aviv, doch ist Givat Brenner kein historisch gewachsenes Dorf, sondern eine besonders großer Kibbuz, der 1928 von überwiegend jüdischen Einwanderern aus Russland gegründet worden war. Unter der Leitung von Herrn Greif und begleitet von Herrn Weikmann haben wir zuerst den Süden Israels erkundet und dabei zwei Tage am Roten Meer in Eilat verbracht, die beeindruckende antike Festung Masada erklommen, im Toten Meer gebadet, im Roten Meer an einem Korallenriff getaucht und sind in der Wüste auf Kamelen geritten. Auf der Rückfahrt von Eilat, der südlichsten Stadt des Landes, fuhren durch die Wüste Negev, besuchten den Timna-Nationalpark, den Erosionskrater von Mitzpe Ramon und den Kibbuz Sede Boker.

Die anschließenden Tagesausflüge unternahmen wir getrennt von unseren Austauschpartnern, da die israelischen Schüler am regulären Unterricht teilnehmen mussten. Wege den im Oktober als entspannt zu bezeichnenden Sicherheitslage konnten wir auch nach Jerusalem fahren. Die Stadt hat uns beeindruckt, aber auch schockiert. Ein Jahr lang hatten wir uns auf unseren Besuch vorbereitet und dachten, wir wüssten, was auf uns zukommt. Doch nicht nur von der Konzentration von Orten historischer Signifikanz wurden wir überrascht, auch wie divers und geteilt eine einzige Stadt sein kann. In Jerusalem leben Christen, Muslime und Juden neben- bzw. beieinander, es ist eine so wunderbare lebendige Stadt, mit unzählbar vielen Kulturgütern und doch streiten sich dort die Menschen um alles und das nicht immer nur mit Worten. Die Klagemauer zeigt das Problem, mit dem das Land seit seiner Gründung innerhalb und nach außen zu kämpfen hat, besonders gut.

So bestehen Konflikte nicht nur mit der arabischen Bevölkerung in der Westbank und mit Staaten wie Syrien oder dem Iran, sogar die jüdische Bevölkerung ist in sich gespalten, besonders die orthodoxen Juden geben mit ihren politischen Forderungen oft Grund für Zwiespalt in diesem gemäß der Verfassung laizistischen Staat. All diese Konflikte spiegeln sich mitten in Jerusalem an der berühmten Klagemauer, am Fuß des Tempelbergs, besonders wider. Das Militär bewacht den gesamten Bereich und niemand kommt hinein ohne gescannt und abgetastet zu werden, orthodoxe Juden beten an der Mauer, an der in jüdischer Tradition nach wie vor die Geschlechter getrennt werden. Wenige Meter davon entfernt befindet sich der Hauptzugang zum Tempelberg mit dem Felsendom als zentralem Heiligtum des Islam.

Zurück im Kibuz Givat Brenner haben wir die letzten paar Tage größtenteils alle zusammen verbracht und gemeinsam Jaffa und Tel-Aviv besucht, wo wir eine Führung von Shlomi Chanoch, dem Sohn von Uri Chanoch, einem 2015 verstorbenen Holocaust-Überlebenden, bekamen. Den Sabbat, an dem das öffentliche Leben im Lande weitgehend zum Erliegen kommt, verbrachten wir in den Familien. Der Schlusspunkt unserer Reise war ein besonderes Erlebnis: der Besuch des Holocaust-Gedenkstätte in Yad Vashem. Das beeindruckende Ausstellung zum Holocaust und die anrührenden Denkmäler sind unbeschreiblich, so war die Zeit viel zu kurz, um es zu erkunden.

An dem ohnehin schon anstrengenden allerletzten Tag mussten wir leider schon wieder Abschied von den Familien und den Austauschpartnern nehmen und nach Deutschland zurückkehren. Die Planungen für ein Wiedersehen nach unserem Abitur sind aber schon im Gange.

Da der Besuch Ende Oktober aber nur die Erwiderung des Besuchs der Israelis in der letzten Juliwoche war, wollen wir hier auch noch einen kleinen Rückblick auf diesen ersten Teil des Austauschs werfen.
Wie jedes Jahr war auch dieses Mal der Besuch der Israelis im Rahmen des P-Seminars gut vorbereitet und alles hat reibungslos funktioniert – fast. Der Flug aus Israel hatte große Verspätung und die hohen Sicherheitsmaßnahmen verzögerten die Ankunft, so dass wir lange warten mussten, unsere Austauschpartner endlich zum ersten Mal zu treffen. Zeit, in der uns viel durch den Kopf ging, denn ein Schüleraustausch mit Israel ist anders als die anderen. Im Vorfeld hatten wir uns, unter Regie von Herrn Greif, im P-Seminar mit dem Holocaust und mit dem Todesmarsch durchs Würmtal auseinandergesetzt und auch bei einigen Veranstaltungen unseren Beitrag zur Erinnerung an diese Phase der deutsch-jüdischen Geschichte geliefert. Diese wie auch die neuesten Ereignisse im Nahost-Konflikt könnten bei einem solchen Austausch eine Rolle spielen, die wir nicht einzuschätzen wussten.

Die 12 Schülerinnen und Schüler der „Givat Brenner Highschool“, begleitet von zwei Lehrerinnen, wurden Ende Juli hier in Gauting mit dem Kulturspektakel willkommen geheißen. Über das Wochenende hinweg konnten wir, die israelischen Schüler und die 14 ‚Gautinger‘, uns einander besser kennenlernen und unsere Gäste aus Israel sich hier an die Familien gewöhnen. Die Woche war vollgepackt mit jeder Menge an Aktivitäten, aber unser Ziel war es nicht nur, ihnen eine schöne Zeit zu bereiten, sondern unser Land und unsere Kultur näherzubringen. Zu den Ausflugszielen gehörten, neben München und Augsburg, auch zwei Ausflüge in die Alpen, die wir geplant und vorbereitet hatten.

Zum Abschluss der neun gemeinsamen Tage trafen wir den Zeitzeugen Abba Naor, der den Austausch von israelischer Seite gut 12 Jahren auf den Weg gebracht hat, zu einem Abschlusstreffen. Während für uns schon die Sommerferien begannen, haben unsere neu gewonnen Freunde im Anschluss noch ein zweiwöchiges Seminar in Dachau besucht. Austausch und Seminar boten uns die einmalige Gelegenheit, ein einzigartiges Land intensiv kennenzulernen.

Philipp Klingan, Q12 (für das P-Seminar Israel)