Jeder Mensch hat einen Namen…

Am Totensonntag gedenken nicht nur die evangelischen Christen, für die der Tag ein Feiertag ist, ihren Verstorbenen. An diesem Tag findet nämlich seit 10 Jahren auch eine Gedenkfeier in Erinnerung an die späten Opfer des Holocaust statt, die auf dem jüdischen Teil des Gautinger Friedhofs ihre letzte Ruhestätte fanden. An dieser Gedenkfeier beteiligten sich auch in diesem Jahr Schülerinnen und Schüler unserer Schule.

Ab Mai 1945 wurden lungenkranke Zwangsarbeiter und Überlebende des KZ-Lagersystems, mehrheitlich Juden, im DP-Hospital Gauting oft über Jahre hinweg behandelt. Viele von ihnen erlagen jedoch nach der Entkräftung durch Zwangsarbeit und Lagerhaft ihren Krankheiten. Diese späten Opfer der NS-Verfolgung wurden bis 1952, sofern sie jüdischen Glaubens waren, auf dem dafür neu angelegten jüdischen Teil des Friedhofs Gauting beigesetzt.

Dr. Friedrich Schreiber, Vorsitzender des Vereins „Gedenken im Würmtal“, begrüßte zu Beginn alle Anwesenden und führte in die Geschichte des Friedhofs und die Vorgeschichte der Gedenkstunde ein. Die anschließende Feier gestalteten Dr. Jan Mühlstein, der Vorsitzende der liberalen Jüdischen Gemeinde München und Nikola David, Kantor der Synagoge Beth Shalom, der mit seinem Gesang die Zeremonie umrahmte. Nach einem einstimmenden Lied übernahm Dr. Jan Mühlstein das Wort und rezitierte das bewegende Gedicht „Jeder Mensch hat einen Namen“ von Zelda Schneurson. Um den Namen der hier auf dem Gautinger Friedhof Beigesetzten wieder Gehör zu verschaffen, trugen, wie schon in den Vorjahren, Schülerinnen und Schüler der drei Gymnasien im Würmtal (Kurt-Huber-Gymnasium, Feodor-Lynen-Gymnasium und Otto-von-Taube-Gymnasium) die Namen der Verstorbenen vor. Nach der Lesung des Totengebets (Kaddisch) folgten die - trotz des winterlichen Wetters - zahlreichenden Anwesenden der alten jüdischen Tradition und hinterließen nach ihrem Besuch an den Gräber einen kleinen Stein des Gedenkens auf den Grabsteinen.

Lola Reik, Valerie Daunderer, Paulina Trautwein (für das P-Seminar Israel, Q11)